Am 21. 09.2002 hat die rechte Gewalt in Langenthal einen neuen Höhepunkt erreicht. Nazi-SchlägerInnen haben das autonome Kulturzentrum (Lakuz) angegriffen und verwüstet. Danach griff der Schlägertrupp eine türkische Familie an, die vor dem Spital um ein verstorbenes Familienmitglied trauerte. Seit Monaten terrorisieren Nazi-Skins ihnen missliebige Personen in Langenthal. Immer wieder kam es nach Hockeyspielen des SC Langenthals zu Übergriffen, die in der Öffentlichkeit jedoch kaum bekannt wurden.
Die Ursachen der rechten Gewalt sind rechte Ideologien und Fremdenfeindlichkeit, wie sie auch in der bürgerlichen Gesellschaft vorhanden sind. Umso mehr erstaunt die plötzliche Betroffenheit und Aufregung in den Reihen der Bürgerlichen. Es ist klar, dass es den Parteien nicht um die perversen Motive der GewalttäterInnen geht - sie regen sich "nur" über die Gewalt auf, da sie nicht vom Staat, der das Gewaltmonopol beansprucht, ausgeübt wurde.
Diese Aufregung ist heuchlerisch: Hätte die Polizei die TürkInnen verprügelt, um sie auszuschaffen, oder hätte die Polizei das Lakuz geräumt und abgerissen, hätten sie wohl kaum von Gewalt gesprochen oder gar dagegen demonstriert. Mensch denke nur an die Aussage von SVP-Exponent Sterchi, der fordert, wenn das Lakuz weiter angegriffen werde, müsse es geschlossen werden. Wird dieser Gedanken eine Windung weitergesponnen, sind die AusländerInnen für die Fremdenfeindlichkeit verantwortlich, und müssten daher ausgeschafft werden?!
Dass die
herrschenden Parteien nicht gegen rechte Gewalt, sondern nur diffus "gegen
Gewalt" (nicht mitgemeint ist die Staatsgewalt) demonstrieren wollen, hat
einfache Gründe:
1. soll der Anschein erweckt werden, dass es sich um Gewalt zwischen Jugendbanden
handelt, die sich gegenseitig provozieren. Dabei sollen die gesellschaftlichen
und politischen Gründe rechter Gewalt und antifaschistischer Aktionen vertuscht
werden. Mit der Reduktion der Debatte auf Gewalt erreichen Parteien und Medien,
dass nicht über Inhalte diskutiert werden muss.
2. wollen die Herrschenden "rechte und linke Gewalt" in den gleichen Topf
schmeissen. Obwohl auch ihnen bekannt sein dürfte, dass rechte GewalttäterInnen
- von menschenverachtenden Ideologien und blindem Hass getrieben - ihre Gewalt
gegen Menschen richten. Bei ihren geplanten Überfällen nehmen sie den Tod
von Menschen die nicht in ihr engstirniges Weltbild passen, bewusst in Kauf
(Hochdorfüberfall, Sturmgewehrangriff auf Solterpolter in Bern, Brandanschlag
aufs bewohnte AJZ in Bern, Mord an M. von Allmen in Unterseen...).
Antifaschistische "Gewalt" richtet sich dagegen nur im Verteidigungsfall gegen
Menschen und hat meist symbolischen Charakter (Farbanschläge, Sabotage...).
Wir sind der Meinung, dass Antifaschismus nicht delegiert werden darf und kann! Faschismus ist ein strukturelles Problem, das nicht durch Repression vom Staat gelöst werden kann. Die Forderungen nach einem starken Staat durch mehr Polizeikontrollen und Unterdrückungsmassnahmen sind an sich faschistoid! Nur in einer freien, solidarischen Welt, in der die Menschen selbstbestimmt leben, wird Faschismus und Unterdrückung nicht mehr möglich sein. Die herrschende Ordnung muss durch eine gerechte, basisdemokratische, selbstbestimmte Gesellschaftsform ersetzt werden.
Es ist höchste Zeit, dass sich die Menschen auch in Langenthal organisieren und den antifaschistischen Kampf, also den Kampf für eine neue solidarische Gesellschaft, aufnehmen!
Wer über den Kapitalismus nicht reden mag, soll auch zum Faschismus schweigen!
Nicht auf Staat und Polizei vertrauen - auf die eigenen Kräfte bauen!
Mischt euch ein - verhindert rassistische Übergriffe!
Kein Raum für Nazis - nirgendwo!
Organisiert euch gegen rechte Gewalt - bildet Antifas!
Solidarität ist eine Waffe!
Bündnis gegen Rechts / 12.10.02