Communiqué vom Schellenursli


Hallo

Zuerst einmal das Communique meiner Aktion von heute:

Aktionen gegen Coca-Cola und SP-Schweiz am 23.1.03 zum WEF-Auftakt

Schellenursli und seine GenossInnen haben heute zuerst die Coca-Cola Abfüllfabrik in Bolligen besetzt. Diese musste vorübergehend den Betrieb einstellen. Nach einer guten Stunde sind wir wieder in den Car gestiegen und haben Kurs Richtung Berner Innenstadt genommen. Durch die Stadt ist mensch dann zum SP-Zentralsekretariat vorgedrungen und hat dieses besetzt. Dies aus dem Grund weil sich die SP-Schweiz der repressiven Rhetorik von WEF und Bündner Regierung angeschlossen hat. Wer die Anti-WEF-Bewegung mit Kriegstreibern wie den USA vergleicht, hat den Namen "sozial" nicht verdient.

Wir verlangen eine sofortige Entschuldigung den Widerruf dieser herrscherhaft tönenden Aussagen.

Die Medienmitteilung kommt denn auch sehr überraschend: Die SP, die sich jahrelang aus der globalisierungskritischen Bewegungen rausgehalten hat, nimmt sich plötzlich das Recht, über das Oltenerbündnis und den darin engagierten Organisationen in machthaberischem Ton zu urteilen. Die "sozial"-demokratische Partei bestimmt somit über Personen, die an der Demo teilnehmen, indem sie ihnen keine Wahl lässt: Entweder ihr seid mit uns oder ihr seid gewalttätig.

Das lassen wir uns nicht mehr bieten. Wir verstehen dies als "Kriegserklärung" und werden weiter Aktionen vorbereiten.

Mit bimmelnden grüssen Schellenursli

P.s. Heute Morgen früh hab ich noch die CS-Bancomaten beim Freiburger bahnhof geteert und gefedert.

P.P.s. Ich habe vor einigen Tagen in Davos verschiedene Strassen- und Ortsschilder demontiert. Ich hab sie jetzt mit ins Flachland genommen und werde sie bald der öffentlichkeit in irgend einer Form zurückgeben.

P.P.s. hier einige Infos zu Coca-Cola
Seit Jahren ist bekannt, dass sich transnationale Unternehmen im kolumbianischen Bürgerkrieg wie Fische im Wasser bewegen. So auch Coca-Cola, das wichtige Kapitalanteile an dem kolumbianischen Coca-Cola Abfüllunternehmen Panamco besitzt. In den Abfüllanlagen der durch Kapitalanteile an den US-Konzern gebundenen kolumbianischen Firma Panamco tobt ein regelrechter Krieg gegen die Gewerkschaften. Mehr als 120 Angriffe hat die Ernährungsgewerkschaft SINALTRAINAL seit 1990 protokolliert: Ermordungen, Entführungen, Drohanrufe, inszenierte Terrorismusverfahren. In der von Armee und Paramilitärs besonders streng kontrollierten nordkolumbiansichen Region Uraba wurde die Gewerkschaft im wörtlichen Sinne physisch eliminiert. Im Dezember 1996 ermordeten "Unbekannte" den regionalen SINALTRAINAL-Sekretär Isidro Segundo Gil, ein weiterer Funktionär konnte einer Entführung nur knapp entkommen. Das Gewerkschaftsgebäude in der Stadt Carepa wurde in Brand gesetzt, die ArbeiterInnen des Unternehmens von Bewaffneten gezwungen, bis 4 Uhr nachmittags aus der Gewerkschaft auszutreten.
Die Situation verschlechtert sich weiter. Der Druck auf jene Coca-Cola-ArbeiterInnen, die noch gewerkschaftlich organisiert sind, wird immer grösser. AktivistInnen können Ihre Wohnungen nicht mehr ungeschützt verlassen und erhalten regelmässig Morddrohungen. Die Gewerkschaftssektionen von Barrancabermeja und Bucaramanga sind im "inneren Exil". Die GewerkschafterInnen verbringen aus Sicherheitsgründen die meiste Zeit in der Hauptstadt Bogota.
Diese Firmenpolitik scheint im übrigen nicht auf Kolumbien beschränkt zu sein. Gegen Coca-Cola-GewerkschafterInnen in Guatemala und Peru hat es in den vergangenen Jahren ähnliche Gewalttaten gegeben.
Druck kann etwas zur Veränderung der Situation beitragen. Dieser sollte solange anhalten, bis Coca-Cola seine Entlassungspolitik einstellt, gewerkschaftliche Organisierung akzeptiert und Massnahmen gegen den Paramilitarismus im und um den Betrieb herum ergreift. Das Argument, dass die Abfüllanlagen nicht zum Mutterkonzern gehören, zählt nicht. Wären in einer kolumbianischen Abfüllanlage Giftstoffe in die Getränkeflaschen gelangt, hätte Coca-Cola sicherlich scharf durchgegriffen. Das Unternehmen kann durchaus handeln, wenn seine Lizenznehmer GewerkschafterInnen erschiessen lassen!
Um noch zu verdeutlichen, dass der Konzern nicht nur in Kolumbien massiv in das Leben der Menschen eingreift:
In Indien organisiert sich der Widerstand indigener Völker gegen Coca-Cola. Konkret wird dem Konzern Wasserverseuchung durch Chemieabfälle und die Absenkung des Grundwasserspiegels vorgeworfen. Auch in diesem Fall wird versucht, den Protest der Bevölkerung mit massiven Bedrohungen einzuschüchtern.

P.p....s. Ich und meine genossInnen sind solidarisch mit marco camenisch, der sich im hungerstreik befindet. marco hat in all den jahren knast seine politische identität nie aufgegeben. Seine kraft und die unterstützung die er aus solidarischen gruppen erhalten hat, haben es ihm ermöglicht durch die mauern hindurch die welt zu betrachten, sich gedanken zu machen und zu kämpfen, mit den wenigen mitteln die er in seiner lage hat. www.freecamenisch.net