Drogeneinkaufstempel oder Widerstandskulturzentrum?
Seit einigen Wochen bemühen wir ReitschülerInnen uns darum, dem Deal in und vor der Reitschule ein Ende zu bereiten.
Warum das?
Was uns am Deal stört, ist die Selbstbereicherung und die Ausbeutung, sowie die Gewalt, die der Deal mit sich bringt. Ausserdem wollen wir nicht, dass die Reitschule als Drogenhölle wahrgenommen wird, sondern als Ort, an dem vielseitige alternative Kultur und Politik gemacht wird.
Wir können nicht länger zusehen, wie Dealer unsere Grundsätze (u.a. keine Ausbeutung, keine Selbstbereicherung, kein Sexismus) mit Füssen treten, um sich dann, sobald die Bullen einfahren, hinter uns zu verstecken. Den Dealern ist die Reitschule egal; für sie ist sie nur solange interessant, wie sie hier (auf unsere Kosten) Profit machen können. Sie bereichern sich selbst, während sie andere ausbeuten. Doch auch die Strassendealer werden im hierarchisch organisierten Drogenbusiness von Zwischenhändlern ausgebeutet. Der Drogenhandel ist ein kapitalistisches, mafiöses Geschäft, das wir nicht länger in und vor unserem Freiraum dulden werden.
Darf in der Reitschule jetzt nicht mehr gekifft werden? Und wo bekommt mensch jetzt Dope her?
Natürlich werden wir es auch in Zukunft den Leuten überlassen, ob sie kiffen wollen oder nicht! Nur verlangen wir dabei ein bisschen Respekt gegenüber der Reitschule. Wer sich seinen Stoff weiterhin in der Reitschule respektlos reinziehen will, fliegt raus. Also, baut euer Gras am besten selber an (ist politisch korrekt und erst noch billig) oder befriedigt euer Laster über andere Connections.
Macht die Reitschule jetzt neuerdings die gleiche Politik wie die Stadtregierung ("Aus den Augen aus dem Sinn")?
Natürlich nicht! Uns ist klar, dass wir durch das Wegschicken nur Symptombekämpfung betreiben, mit der wir uns etwas Luft verschaffen wollen. Luft um unseren Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse weiterführen zu können, um die Probleme an der Wurzel zu packen. Die Ursachen für die Situation auf dem Vorplatz sind bei der fehlgeschlagenen Drogenpolitik, der repressiven Sauberkeitspolitik und der rassistischen AusländerInnenpolitik zu finden.
Den PolitikerInnen kommt es mehr als gelegen, wenn sich der Drogenhandel (von dem nicht wenige von ihnen profitieren) nicht in der Innenstadt, sondern vor der Reitschule abspielt. So können sie das Image der "sauberen Stadt" und der erfolgreichen Gesellschaft aufrecht erhalten und gleichzeitig behaupten, die Reitschule sei selber schuld an der Situation, und nicht etwa die von ihnen propagierte, kapitalistische Logik und die verfehlte Drogenpolitik. Mit brutaler Polizeirepression werden immer mehr Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, in die letzten Freiräume abgedrängt, die dann irgendwie mit allem fertig werden müssen...
Auch die rassistische AusländerInnenpolitik der Herrschenden verschärft das Problem. Indem viele der hier lebenden AusländerInnen in einen "illegalen" Status gedrängt werden oder keine Arbeitsbewilligung erhalten, kommen manche von ihnen in Versuchung, sich mit Drogenhandel über Wasser zu halten. Den Herrschenden kommt das wiederum gelegen. Die kleinen Strassenhändler sind vorab männliche Ausländer. Dies wird dann von ParteistrategInnen genutzt, um den Rassismus in der Bevölkerung zu schüren! So können sie ganze Bevölkerungsteile nach dem Prinzip "teile und herrsche" gegeneinander ausspielen und von der wahren Krise ablenken.
Das eigentliche Drogenproblem bleibt das Drogenverbot!
Wären Drogen legal erhältlich, gäbe es keine Beschaffungskriminalität und keine Dealer mehr und auch Beschaffungsstress würde der Vergangenheit angehören. Der Stoff würde nicht mehr gestreckt und verunreinigt, womit das gesundheitliche Risiko beim Konsumieren um vieles kleiner wäre. Ausserdem würde die gesellschaftliche Ausgrenzung abnehmen und den Konsumenten könnte besser geholfen werden. Der Reiz des Illegalen würde wegfallen und Unmengen von Geldern, die jetzt für die Repression verschleudert werden, könnten für Prävention, Überlebenshilfe und Therapie verwendet werden. Aber weil eine Vielzahl der Herrschenden von dieser Drogenpolitik profitiert, bleibt alles, wie es ist...
Die Reitschule ist Teil der Infrastruktur der ausserparlamentarischen sozialen Bewegungen und Gruppen. Wir ReitschülerInnen kämpfen seit Jahren gegen diese Drogenpolitik und die rassistische und ausgrenzende Politik der Herrschenden - und werden das auch weiterhin tun!
Wenn du wirklich etwas verändern willst, dann schliess dich unserem Kampf für eine gerechte Welt an! Die nächste Gelegenheit:
Heraus zur Demo gegen diese Drogenpolitik und gegen den Deal in und vor der Reitschule!
Sonntag, 19.12 04 , 15.00 Uhr auf dem Vorplatz der Reitschule.
- Gemeinsam werden wirs schaffen!
- One solution - social Revolution!
- Solidarität ist eine Waffe!
- Das Drogenverbot ist das Drogenproblem - Für die Legalisierung aller Drogen!
- Für Gerechtigkeit, Basisdemokratie und Selbstbestimmung!
ReitschülerInnen