RECLAIM THE STREETS
wer fordert wieso von wem die strasse zurück?
die strasse ist ort der begegnung, wo menschen miteinander reden, streiten, lachen; doch solche öffentliche räume werden immer weniger und enger in bern. sie werden privatisiert und kommerzialisiert, die stadt soll aufgewertet werden, wohnraum wird luxussaniert – trotz der nun schon mehrere jahre andauerenden wohnungsnot.
die strasse werden immer stärker vereinnahmt, sei es durch wachsende werbeflächen oder individualverkehr. was dies bedeutet ist für viele, die in dieser stadt leben wollen, spürbar. fast überall herrscht konsumzwang, wer im bahnhof länger als fünf minuten rumsteht macht sich schon verdächtig, bezahlbaren oder gar unkonventionellen wohnraum zu finden wird zur unmöglichkeit.
elemente die nicht in die kapitalistische verwertungslogik passen werden verdrängt, subkulturen und sozial benachteiligte sind da zuerst an der reihe. bullen und securitas, perimiterverbote und kameraüberwachung setzen die law and order politik in den verbliebenen öffentlichen räumen durch, wenn nötig mit dem schlagstock.
die städtische "aufwertungs"- und vertreibungspolitik gestaltet die stadt als wirtschaftsstandort und tourismusdestination – statt interessanten lebensraum zu bieten wird die stadt ort der kapitalvermehrung und konkurrenz.
was nützt uns weltkulturerbe wenn hier alles tot und nichts erlaubt ist. für uns ist die strasse mehr als der weg zum arbeitsplatz, zum einkaufszentrum und wieder nach hause. der öffentliche raum ist ein wichtiger ort des sozialen lebens, da finden auseinandersetzungen statt, werden konflikte ausgetragen und lösungen gefunden. er muss deshalb offen sein für alle mitglieder der gesellschaft.
RTS will einen ort der unkontrollierheit schaffen, sich der vereinnahmung verweigern und die strasse als ort der kommunikation für alle zugänglich machen. RTS vereinigt leute aus verschiedenen subkulturen mit diversen identitäten und vielleicht ebenso vielen wiedersprüchen. doch was uns verbindet ist die unzufriedenheit mit den herrschenden verhältinissen und der mangel an freiräumen um gegenkulturen und vielleicht eine postkapitalistische perspektive zu entwickeln. denn soziale prozesse brauchen freiräume und sind nicht kontrollierbar.
RTS ist nur eine von ganz verschiedenen erscheinungsformen freiräume zu schaffen. das bedeutete auch, dass hier kein platz für jegliche herrschaftsformen wie sexismus, rassismus oder homophobie ist, denn RTS steht diesen unvereinbar gegenüber.
und das alles wollen wir hier auf die strasse tragen, wir brauchen keine bahnhofsfeste, wir machen unsere eigenen partys. RTS fragt: war das schon alles? wir könnten uns mehr vorstellen.
her mit dem schönen leben. alles für alle und zwar umsonst.