Hochdorfer Gemeinderat verhindert antifaschistische Veranstaltung


Hochdorfer Gemeinderat verhindert Veranstaltung „Wider das vergessen! Für eine Zukunft ohne Nazis!“

Wir, eine Gruppe Jugendliche aus dem Raum Seetal, planten seit einigen Monaten eine Info- und Konzertveranstaltung im Kulturzentrum Braui Hochdorf zum Thema Rechtsextremismus.

Anlass dazu ist der bewaffnete Überfall von Neonazis auf das „Festival für Völkerfreundschaft“ vor zehn Jahren. Dabei wurden in der Braui mehrere Personen verletzt und ein grosser Sachschaden verursacht. Nur dank grossem Druck aus der Öffentlichkeit und der Medien kam es zu einer Thematisierung des Neonazismus und zu mehreren Verhaftungen.

Zehn Jahre sind seither vergangen und wir sind der Ansicht, dass der Überfall auf die Braui und die Verbrechen des menschenverachtenden Faschismus keinesfalls vergessen werden sollten, zumal gerade heute rechtsextreme Ideologien wieder Aufwind haben und rassistische Übergriffe sich häufen (Rütli-Aufmarsch, Nazikonzert in Brig VS, 1. Mai Aufmarsch, Neonazikonzerte im Luzerner Hinterland, Überfall auf antirassistische Demonstration in Willisau LU etc.)

Weil besonders wir Jugendliche davon betroffen sind, schlossen wir uns zu einer Interessengruppe zusammen und mieteten vertraglich die Braui Monate im Voraus. Die Veranstaltung sollte eine Mahnwache aus Solidarität mit Opfern rechtsextremer Übergriffe (mit Reden und Diashow) auf dem Brauiplatz beinhalten. Anschliessend sollte ein Film über die Situation im Seetal gezeigt werden, und schliesslich der Rechtsextremismusexperte Hans Stutz eine Infoveranstaltung mit Diskussion abhalten. Zum Schluss des Abends sollten eine World Music Band und eine HipHop Band auftreten.

Knapp zwei Wochen vor der Veranstaltung kündete die Gemeinde überraschenderweise als Eigentümerin der Braui den Benutzungsvertrag. Der Anlass sei ihnen zu „provokativ“ und die Sicherheit sei nicht gewährleistet, konkret die Gemeinde hat Angst vor einem Neonaziüberfall (auf dieser Meinung beharrt sie auch nach gegenseitigen Gesprächen). Unter anderem wurde auch mitgeteilt, „dass die Gemeinde kein Interesse habe dieses Thema wieder aufzuarbeiten, wo es doch bald schon vergessen gewesen wäre.“

Für uns ist es unverständlich, dass 60 Jahre nach dem Sturz des 3. Reiches Antifaschismus als „Provokation“ betrachtet wird.

Wir können nicht verstehen, dass eine grosse Gemeinde wie Hochdorf sich mundtot lassen macht aus Angst vor neonazistischen Übergriffen, als eben gerade darum eine solche Informationsveranstaltung zu unterstützen.

Enttäuscht nehmen wir zur Kenntnis, dass die Gemeinde das Thema lieber unter den Teppich kehrt, als sich damit auseinanderzusetzen.

Die Veranstaltung kann somit leider nicht in der Braui stattfinden.

IG Jugendliche für Toleranz und Respekt