Communiqué zur antifaschistischen Demonstration am Sa. 19.11.05 in Frauenfeld


Am Samstag den 19. 11. 05, besammelten sich am Bahnhof Frauenfeld kurz vor 21:00 Uhr über 100 Personen, um spontan gegen Rechtsextremismus, Gleichgültigkeit und Heuchelei zu demonstrieren.

Die lautstarke und selbstdisziplinierte Demonstration führte von der Bahnhofstrasse durch die Kehlhof-, Zürcher- und Grabenstrasse sowie über den Postkreisel und den Altweg bis zum Bahnhofplatz. In kurzen Redebeiträgen wurde das Nazi-Treffen, welches vor 2 Wochen stattgefunden hatte thematisiert und der brutale Überfall vor 2 ½ Jahren, als 7 rechtsextreme Schläger 2 Jugendliche spitalreif geprügelt hatten, nochmals aufgegriffen.

Vor dem Restaurant Post, ein beliebter Treffpunkt lokaler Rechtsextremer, wurde das Flugblatt, welches zugleich an der Demo verteilt wurde, vorgelesen. Die völlig überraschte Polizei war einmal mehr total überfordert. Dadurch verlief die Demonstration friedlich, selbstbestimmt, kraftvoll und entschlossen.

Gegen Ende der Demonstration schlossen sich spontan mehrere Jugendliche mit ausländischen Wurzeln an, die lauthals ihrer Sympathie Ausdruck gaben. Kurz vor 22:00 Uhr endete die Demonstration mit einem lautstarken „Nazis raus!“ vor dem Bahnhof Frauenfeld.

Vielen Dank an alle, die trotz der Kälte ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus setzten!

Hiermit möchten wir noch zusätzlich unsere Solidarität mit den Bewohnern des Kulturzentrums „Kiwana“ in Luzern zum Ausdruck bringen, deren Haus mittels zwei Molotov Cocktails angegriffen wurde. Ein Mahnmal dafür, dass rechte Gewalt auch in der Schweiz nicht unterschätzt werden darf.

Gegen Rechtsextremismus, Gleichgültigkeit und Heuchelei – Für eine selbstbestimmte und solidarische Welt!

 

Folgendes Flugblatt wurde an der Demonstration verteilt und verlesen:

Kein Raum Für Nazis!

Liebe AntifaschistInnen Genau zwei Wochen sind es nun her, seit sich hier in Frauenfeld über 100 Neonazis versammelten, um eine „Skinhead-Party“ zu feiern. Bereits im Vorfeld waren Medienschaffende über die geplante Veranstaltung informiert worden, reagierten aber nicht darauf. Auch die Kantonspolizei Thurgau war nach eigenen Angaben über das Treffen informiert, schritt aber nicht ein. Anscheinend haben Behörden und Polizei in Frauenfeld nichts aus der Vergangenheit gelernt...

Vor genau 2 ½ Jahren, am 26. April 2003, schlugen 7 Neonazis im Alter von 18-23 Jahren(1) den damals 15-jährigen Dominik und einen 17-jährigen Kollegen, die auf dem Rückweg von einem Konzert waren, spitalreif. Dominik wurde beim Angriff so schwer verletzt, dass er bleibende Schäden davontrug(2). Ein Schreckenszenario, welches sich vor zwei Wochen in Frauenfeld durchaus hätte wiederholen können.

Faschismus ist immer gewalttätig!

Es ist jedoch deutlich zu sagen, dass nicht nur die rechtsextreme Gewalt bekämpft werden muss, sondern jegliche Gruppen, die nationalistische und rassistische Ideologien vertreten. Nationalistische und rassistische Ideologien sind zwangsläufig gewalttätig: Sie basieren auf Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen, die durch angeborene oder willkürlich festgelegte Merkmale nicht in das eindimensionale Weltbild der Neonazis passen. Ihr erklärtes Ziel, der „Rassenvermischung“ ein Ende zu setzen, ist nicht ohne Massenmord zu erreichen. Aus diesem Grund können und wollen wir auch keine „friedliche“ rechtsextreme Gruppen und Veranstaltungen dulden.

Wer, wenn nicht wir; wann, wenn nicht jetzt? – Faschismus bekämpfen!

Wir haben uns heute Abend versammelt, um gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus, Gleichgültigkeit und Heuchelei zu setzen. Während Rechtsextreme ungestört feiern können, wird legitimer antifaschistischer Widerstand von den staatlichen Behörden kriminalisiert(3) und von den bürgerlichen Medien und Parteien, als extremistisch abgestempelt. Unter dem Motto: „Alle Extremen sind schlecht“ versucht die bürgerliche Gesellschaft unseren Widerstand mit dem der Rechtsextremen auf die gleiche Stufe zu setzen. So bleibt die saubere Weste der bürgerlichen Gesellschaft gewahrt, obwohl den Worten keine Taten folgen.

Doch, wir lassen uns nicht einschüchtern.Wo Neonazis feiern und prügeln, wo Polizei und Medien Tatsachen verschweigen und verdrehen, werden wir unseren Protest auf die Strasse tragen - in Frauenfeld und überall!

Kein Vergessen, kein Vergeben für Dominik und alle Opfer faschistischer Gewalt! Kein Raum für Nazis, nirgendwo!

(1)Darunter einige Mitglieder der militanten Naziskinhead-Organisation „Blood & Honour“

(2)Er ist jetzt schwer behindert und muss rund um die Uhr betreut werden

(3)Erinnert sei an die verhinderte Kundgebung gegen Faschismus hier in Frauenfeld oder den verhinderten Abendspaziergang in Thun

 

Solidaritäserklärung zum Antifa-Spaziergang in Frauenfeld

Vor zwei Wochen fand in Frauenfeld ein "Rechts-Rock-Konzert" statt. Durch antifaschistische Recherchearbeit konnten die Medien frühzeitig über den Anlass informiert werden. Wir waren/sind erstaunt über die Tatsache, dass dieses Konzert, sowie sämtliche bisherigen Konzerte im Thurgau (mittlerweile sind es unseres Wissens nach über 15 Konzerte) kaum auf Interesse auf Seiten der Medien und der Kantonspolizei gestossen ist. Scheinbar sind die Genannten nicht daran interessiert, faschistische Ansammlungen zu verhindern. Ansammlungen, welche den alleinigen Zweck verfolgen, Nazi-Propaganda zu betreiben und junge Menschen zu rekrutieren.

Wir sind erfreut über die Tatsache, dass am Samstag, 19.11.05, kurz vor 21 Uhr eine grosse Gruppe von AntifaschistInnen in Frauenfeld eine Kundgebung durchführte und erklären uns mit den AktivistInnen solidarisch. Kundgebungen welche sich gegen Faschismus und die daraus resultierende Gewalt richten, wurden in der Vergangenheit immer wieder kriminalisiert. Prominente Beispiele dafür sind etwa der verhinderte Antifa-Spaziergang in Thun, aber auch die verhinderten Demonstrationen in Frauenfeld.

Doch eine Kriminalisierung von antifaschistischem Gedankengut hat nur eine Erstarkung des Widerstandes zur Folge. So konnten vor einigen Wochen über 150 Personen unbewilligt, aber auch unbehelligt, im Zürcher Niederdorf gegen Faschismus demonstrieren. Am gleichen Tag demonstrierten AntifaschistInnen in Thun - friedlich. Erstaunlich, wie problemlos solche Kundgebungen verlaufen, wenn Staat und Politik nichts davon wissen.

In Frauenfeld schlossen sich während der Demonstration mehrere Dutzend MigrantInnen dem Umzug an und forderten zum Widerstand gegen nationalistisches Gedankengut auf.

Die LokalpolitikerInnen haben es in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart, nie für nötig empfunden, sich gegen menschenverachtende Ideologien zu wehren und diese aktiv zu bekämpfen. Die traurigen Folgen solcher Politik sind eindeutig zu erkennen. Dominik B., welcher im Frühjahr 2003 zusammen mit seinem Freund brutal niedergeprügelt wurde, hat aufgrund solcher politischer Heuchelei und (absichtlicher?) Blindäugigkeit beinahe mit seinem Leben bezahlt.

Doch nicht nur der Kampf auf der Strasse gehört zum aktiven Widerstand. Antifaschistische Recherchearbeit ist wichtiger als je zuvor. Wenn die Medien und die Marionetten eines Staatengebildes ihre Verantwortung nicht übernehmen, empfinden wir es als unsere menschliche Pflicht, den Widerstand zu beleben und Informationen zu faschistischen Strukturen zu veröffentlichen.

Die einzig sinnvolle Form des Widerstandes ist diejenige, welche sich vom Staat und dem Massen-Journalismus loslöst.

Antifaschismus leben.

AntifaRechercheThurgau