Statement der Gruppe "Antifa Recherche" zur abgesagten "Speuzer Rocknacht"


Sehr geehrte Medienschaffende

Am kommenden Samstag hätte in Erlinsbach SO die so genannte „Speuzer Rocknacht“ stattfinden sollen, ein, laut Veranstalter, unpolitisches Rock - Open Air. Der Medienwirbel der vergangen Tage hat nun aber dazu geführt, dass die Organisatoren den Event offiziell absagten.

Bereits Anfangs letzte Woche wurde die Gruppe Antifa Recherche auf die Speuzer Rocknacht aufmerksam. Verantwortlich dafür war ein Werbebanner auf der Homepage des Tattoo-Shops „No Retreat“ VS, dessen Besitzer über Kontakte zur rechtsextremen Szene verfügt(1).

Bereits die „Regeln“ auf der Homepage des Events machten stutzig, Weshalb sollte ein normaler Konzertveranstalter an erster Stelle darauf hinweisen, dass Extremismus jeglicher Art am Konzert nicht toleriert werden würde? Seltsam auch, dass die Website auf einen gewissen Alex Strunz, wohnhaft an der Poststrasse in Erlinsbach registriert war; eine Person, die offiziell gar nicht existiert(2).

Recherchen ergaben, dass hinter der Agentur „Event Factory“(offizieller Veranstalter der Rocknacht) unter Anderem Sacha Kunz, seines Zeichen einer der einflussreichsten Neonazis der Schweiz, stand.
Ebenfalls stellte sich heraus, dass in der Vergangenheit auch Simon Vogt als Kontakt Person für Event Factory fungiert hatte, eine Tatsache, welche von den Medien aber ausnahmslos ignoriert oder übersehen wurde. Dies, obwohl auch Vogt zur „Prominenz“ der hiesigen rechtsextremen Szene gezählt werden kann. So war er einer der beiden Schützen beim Angriff auf die linksalternative Wohngemeinschaft „Solterpolter“ in Bern im Jahr 2000(3). Ebenfalls organisierte er bereits Konzerte der Burgdorfer Rechtsrock-Band „Indiziert“.

Diese Erkenntnisse bewogen die Antifa Recherche, alle beteiligten Bands per E-Mail zu kontaktieren. Deshalb wurden diese letzten Samstag ausführlich über die Veranstalter informiert und dazu aufgefordert, ihre Auftritte unverzüglich abzusagen. Die Reaktionen sind als eher dürftig einzuschätzen. Lediglich 2 Bands, Bump Liz sowie Attack Vertical, sicherten uns ihre Absage zu und distanzierten sich mit aller Deutlichkeit von Rechtsextremismus und Fremdenhass. Die anderen Bands antworteten gar nicht erst oder rechtfertigten ihren Auftritt durch schwammige Argumente à la es gehe ja gar nicht um Politik sondern nur um Spass.

Währenddessen schaltete sich auch die Gemeinde Erlinsbach ein, die sich von Veranstalter Sacha Kunz übergangen fühlte und den Anlass am liebsten abgesagt hätte. Und zum Schluss bekamen auch noch die beiden Grundstückbesitzer kalte Füsse und machten ihre Zusage rückgängig.

Sacha Kunz indessen versuchte vergebens alle Beteiligten davon zu überzeugen, dass dieser Anlass in keinem Zusammenhang mit Rechtsextremismus oder Nazirock stehen. In einem laut einem Bericht von TeleM1 behauptete er sogar telefonisch, dass er die rechtsextreme Szene diesen Frühling verlassen habe. Eine Behauptung, die ein bisschen seltsam wirkt, bedenkt man beispielsweise, dass das Neonazi-Konzert vom 6. Mai 2006 in Stetten AG; bei dem unter Anderem die Stuttgarter Band „Jagdstaffel“ auftrat, von Kunz persönlich organisiert wurde.
Auch fragt sich, weshalb Kunz’ Internetshop „Utgard“(vorher „White Revolution“) bis zu einem Hack am 30. Mai 06 intakt blieb, wenn sein Besitzer laut Eigenaussage zu diesem Zeitpunkt löste/gelöst hatte. Auch mutet seltsam an, dass über Kunz’ angeblichen Austritt kein einziges Statement, weder von ihm noch von Drittpersonen existiert.

Deshalb wirkt es auch äusserst skurril, wenn sich Sacha Kunz nun als Opfer einer fiktiven Medienhetze darstellt. So hat er sich bis zum heutigen Zeitpunkt nie von der rechtsextremen Szene distanziert. Viel wahrscheinlicher ist die Annahme, das Kunz nun mittels unpolitischen Anlässen versucht, Verluste, die er durch Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen sowie den Hacks seiner Internetshops zweifelsohne erlitten hat, auszugleichen. Dabei würde es nicht verwundern, wenn allfällige Einnahmen solcher Konzerte erneut in rechtsextreme Projekte fliessen würden.

Keine Tränen für rechtsextreme Heuchler. Keine Plattform für Nazi-Agitation.

Für Fragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Freundliche Grüsse

Antifa Recherche