Seit dem 10. Juli befindet er sich im Hungerstreik gegen jegliche Form von Faschismus wie auch gegen seine schlechten Haftbedingungen (siehe Erklärung unten). Die gleichentags abgeschickte Hungerstreikerklärung hat die gefängnisinterne Postzensur offensichtlich nur verzöger passiert. Sie ist erst jetzt beim Bündnis eingetroffen.
Erdogan ist seit Februar aufgrund eines Auslieferungsgesuchs der Türkei inhaftiert. Er flüchtete 15jährig aus der Türkei nach Europa, nachdem es in seinem politischen Umfeld zu Verhaftungen, Drohungen und Folter kam. UnterFolter erpressten die türkischen Behörden Aussagen gegen Erdogan, gemäss denen er an der Ermordung eines Polizisten beteiligt gewesen sein soll. Die politische Situation, in die Erdogan ausgeliefert würde, ist nach wie vor von Menschenrechtsverletzungen und Folter geprägt.
Derzeit ist Erdogan einer zermürbenden Ungewissheit über die Entscheidung der schweizerischen Behörden ausgesetzt. Dieses Warten verbringt er in der Isolationshaft, die lediglich durch 1stündige wöchentliche Besuche
durchbrochen wird. Laut Rechtsanwalt Marcel Bosonnet könnte der Entscheid über seine Auslieferung demnächst getroffen werden.
Um Erdogans sofortige Freilassung zu erreichen, ist eine Unterschriftensammlung in Gang, die von mehreren hundert Menschen unterzeichnet wurde: u.a. Prof. Ueli Mäder (Institut für Soziologie, Universität Basel), Prof. Jean Ziegler (UNO-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung), Daniele Jenni (Rechtsanwalt, Stadtrat Grüne Partei Bern -Demokratische Alternative), Greis (Hip-Hop-Künstler), Hans Schäppi (Präsident Solifonds SGB), Mehmet Akyol (Gewerkschaft UNIA, Zentralsekretariat), Marcel Bosonnet (Rechtsanwalt), Bernhard Ramberd (Rechtsanwalt), Rudolf Rechsteiner (Nationalrat SPS), Heidi Mück (Grossrätin Grünes Bündnis, Basta), Urs Müller (Grossrätin Grünes Bündnis, Basta), Erich Schmid, Angela Schmid, Marianne Huguenin (Nationalrätin, Syndique de Renens), Maya Graf (Nationalrätin; Grüne Baselland). Ausserdem gibt es an verschiedenen Orten Aktionen und wenn nicht bald ein positiver Entscheid gefällt wird, kommt es zu weiteren
Demonstrationen.
(für die Veröffentlichung überarbeitete Version / geschrieben am 10.07.2006 im
Regionalgefängnis Thun)
Liebe GenossInnen,
Ich sitze seit fünf Monaten im Knast. Ich bin hier, weil ich gegen Faschismus gekämpft habe. Viele Leute haben gegen meine ungerechte Situation gekämpft. Eigentlich ist der Kampf nicht nur gegen meine Auslieferung, sondern gegen den globalen Faschismus gewesen. Trotzdem hat mich die schweizerische Regierung nicht freigelassen, weil sie sich nicht für Menschenrechte interessiert, sonder für das wirtschaftliche Kapital. Deswegen bin ich immer noch im Knast.Vielleicht werde ich bald ausgeliefert. Die Schweizer Regierung weiss natürlich, was mich dort erwartet und wie die Türkische Regierung einen politischen Gefangenen im Knast behandelt. Wenn ich ausgeliefert werde, erwartet mich dort Tod und Folter.
Egal wer oder warum mich foltert, der einzige Verantwortliche für meine schlechte Situation ist die Schweizer Regierung. Weil einen Mord begehen oder einen Mord zuzulassen, ist für mich das selbe. Ich kann nicht zulassen, dass unser Widerstand kriminalisiert wird.
Diese Situation, die Kriminalisierung, akzeptiere ich überhaupt nicht.
Wenn man unbedingt jemand bestrafen muss, dann den Faschismus, nicht uns. Weil Krieg und Gewalt produziert der Staat, nicht wir. Wir sind freiheitsliebende Menschen, wir kämpfen für die Gerechtigkeit, deswegen müssen nicht wir, sondern die autoritäre Bourgeoisie betraft werden. Millionen von Menschen sterben wegen dem Hunger – wenn unbedingt jemand wegen Hunger sterben muss, dann nicht wir, sondern die unersättliche Bourgeoisie. Weil sie unersättliche Verbrecher sind. Viele Menschen sind im Kampf gegen den Faschismus gestorben. Heutzutage ist alles noch schlimmer geworden und wenn es so weiter geht wird es noch schlimmer werden. Wegen der Konkurrenz im Kapitalismus ist unsere Welt wie ein grosser Müllhaufen geworden. Die verantwortlichen Menschen, die diesen Müllhaufen gemacht haben, müssen
unbedingt bestraft werden, nicht wir.
Wir Revolutionäre gehören nicht ins Gefängnis. Wir gehören, wie alle Menschen, in Freiheit. Unser Traum ist draussen, in Freiheit. Unsere Gedanken haben keine Grenzen wie das Gefängnis. Ohne Freiheit können wir nicht leben.Vielleicht viele böse Menschen, die uns nicht gerne haben. Sie haben Mut wegen unserem Schweigen. Aber sie müssen nicht vergessen: Eine Bombe schweigt auch bevor sie explodiert. Unser Schweigen ist vorbei!
Liebe GenossInnen,
heute, am 10.7.06, habe ich einen Hungerstreik angefangen. Das ist meine Entscheidung. Ich habe mit der Gefängnisleitung geredet. Sie wollen nochmals mit mir reden aber ich bleibe bei meiner Enrtscheidung. Ich habe ihnen gesagt: Ich habe keine andere Wahl. Ich werde ihnen trotzdem nochmal sagen: Ich akzeptiere diese Haft überhaut nicht. Ich gehöre nicht hierhin, wie auch andere Revolutionäre. Dieser Hungerstreik ist nicht nur gegen meine Situation, sondern gegen den globalen Faschismus, sage ich. Ich glaube dieser Brief liest auch Herr Vogelsang. So weiss er wegen diesem Brief auch vom Hungerstreik. Ich akzeptiere meine Situation und andere,
überhaut nicht. Ich werde sie auch nie akzeptieren.
Revolutionäre Grüße
Erdogan E