Communiqué zum Neonazikonzert vom 27.5.2006 in Burgdorf
Trotz Courage und Medienhype der letzten Wochen gehen die rechtsextremen Aktivitäten der Burgdorfer Neonazi-Szene unvermindert weiter: In der Oberstadt, mitten im Herzen der Stadt, konnte Indiziert letzten Samstag Abend ungestört ein Konzert abhalten, unter dem Vorwand, einen privaten Clubanlass durchzuführen.
Neonazikonzert in der Burgdorfer Oberstadt
Der Medienaufschrei und die öffentliche Empörung der vergangenen Wochen tut den Neonazi-Aktivitäten in Burgdorf keinen Abbruch. Gestern Samstag Abend, 27. Mai, wurde ein weiteres braunes Kapitel in Sachen rechtsextreme Vorfälle geschrieben. Die Neonazi-Band Indiziert lud zum Konzert. Nicht in einer entlegenen Scheune am Ortsausgang, sondern inmitten der Oberstadt, knapp dreissig Meter vom Schauplatz des letzten rechtsextremen Übergriffs vor vier Wochen entfernt.
Für Indiziert ist dies ein Heimspiel: Zwei Musiker der Band - die Brüder Alex und Cédric Rohrbach - stammen aus Burgdorf und sind seit Jahren in der Neonaziszene aktiv. Beide wurden bereits mehrmals wegen rassistisch motivierter Gewalt verurteilt. Im Gepäck hat Indiziert ihre soeben veröffentlichte, zweite CD „Marsch auf Bern“. Am 22. April taufte die Band die CD in ihrem Roggwiler Proberaum - was ihr eine Anzeige wegen Verstosses gegen das Gastgewerbegesetz und den sofortigen Rauswurf aus dem Lokal eintrug.
Die erste Indiziert-CD, „Eidgenössischer Widerstand“, wurde in Deutschland von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wegen rassistischer Elemente, die teils direkt an die Rassenlehre der Nationalsozialisten anknüpfen, verboten. Sie darf in Deutschland weder verkauft noch beworben werden.
Gerade in Burgdorf hätte man nach den Ereignissen der letzen Wochen eine engagiertere Reaktion erwarten können: Nach dem Angriff auf die Familie Brünisholz ging ein Aufschrei durch die Medien und auch die „Aktion Courage“ wurde wieder ins Leben gerufen. Doch nichts dergleichen. Der Leiter der Stadtpolizei, Paul Moser, sowie die Kantonspolizei wurden am Samstag Nachmittag telefonisch über das bevorstehende Konzert informiert. Aber einschreiten wollte scheinbar niemand. Paul Moser nahm die Information zur Kenntnis, die Kantonspolizei war bereits über das angekündigte Konzert im Bilde. Auch Stadtpräsident Franz Haldimann verweigerte den telefonischen Kontakt und Indiziert konnte in aller Ruhe ihr braunes Gedankengut verbreiten. Erst auf Druck hin bemühte sich die Polizei vor Ort um einen Augenschein, sah aber keinen Grund einzuschreiten. Im Vorfeld war den Veranstaltern gar eine Bewilligung für einen „Clubanlass“ in privatem Rahmen erteilt worden. Die Behörden störte es dann auch nicht weiter, dass Indiziert einen Plakatständer vor dem Lokal aufgestellt hatte, welcher das Konzert ankündigte und freien Einlass garantierte.
Das Indiziert-Konzert in der Burgdorfer Oberstadt kann nur als reine Provokation verstanden werden. Dass die rechtsradikale Band ungestört neben den Courage-Fahnen und -Plakaten feiern kann, ist unverständlich und wirft ein mehr als nur merkwürdiges Licht auf die offizielle Position der Stadt Burgdorf in Sachen Rechtsextremismus.
AntifaschistInnen Burgdorf