urteilsverkündung im prozess gegen marco camenisch
heute um elf uhr fand am obergericht zürich der letzte teil des prozesses gegen marco camenisch statt. das aufgebot der staatsgewalt könnte nach wie vor als leicht überdimensioniert bezeichnet werden. es fanden sich etwa fünfzehn solidarische leute ein, um den worten des richters zu lauschen. anders als gestern wurde nicht nur jede/r einzelne gefilzt und durch den metalldetektor geschleust, zusätzlich registrierte die kapo gleich präventiv die identität aller besucher/innen.
der richter liess es sich nicht nehmen, mit dem einsatz der schmier zu drohen, für den fall, dass der pöbel sich nicht ruhig verhielte. darauf verkündete er das urteil: acht jahre freiheitsstrafe, abzüglich der bis zum ersten prozess im juni'04 dauernden u-haft. der antrag auf verwahrung wurde abgelehnt.dann listete er die immensen summen auf, die marco als genugtuung oder gerichtskosten bezahlen muss. zuletzt erklärte der richter, dass auch gegen dieses urteil nichtigkeitsbeschwerde - sowohl kantonal als auch beim bundesgericht - erhoben werden kann.
übersetzt und umgerechnet heisst das, dass marco spätestens 2018 rausgelassen werden muss. frühester entlassungs-termin ist 2012, falls sie ihm einen drittel der strafe bedingt erlassen. das urteil bedeutet vor allem auch, dass der verbissene hardliner und staatsanwalt ulrich weder auf der ganzen linie verloren hat! wenn ihn sein boss nicht zurückpfeift, muss vielleicht damit gerechnet werden, dass er die erneute niederlage nicht verkraftet und das urteil weiterzieht.
es folgte eine kurze und äusserst technische begründung des urteils durch den richter, bei der einem das gefühl beschlich, dass es sich bei der 'rechtsfindung' um eine art geheime zauberkunst oder bibelauslegung handelt. so scheint beispielsweise das neue strafgesetzbuch so einige neue probleme geschaffen zu haben, die erst an ein paar angeklagten getestet und von verschiedenen weisen gelehrten verschieden interpretiert werden. immerhin wurde deutlich, dass das gericht die verwahrung in diesem fall für unverhältnismässig und menschenrechtswidrig hält und die argumente von marcos anwalt praktisch 1:1 übernahm.
auch wenn der angriff des schreibtischtäters weder erfolglos war, gibt es kaum grund zu feiern: wenn marco die gesamte strafe absitzen muss, wird er mit 66 nach 28 knastjahren raus kommen. aber wer behauptet denn, gerichte hätten was mit gerechtigkeit zu tun? jedes verdammte jahr im knast ist eins zu viel! marco muss raus und zwar sofort!
darum bleibts dabei: freedom and sunshine for marco
camenisch - für eine gesellschaft ohne knäste
freund/innen und unterstützer/innen von marco camenisch
13.3.07